Benzoltriebwagen VT 151 - VT 12 Messingeigenbau von Gunter Wiencirz 10.Mai.2006.
Schon lange reizte es mich, eine der vielen Varianten des Benzoltriebwagens in Spur N nachzubauen. In den sechziger Jahren hatte ich in HO und 0 so etwas schon einmal verwirklicht, jedoch waren damals die Möglichkeiten für einen Bau in N nicht gegeben.. Mittlerweile ist die Fotoätztechnik soweit fortgeschritten, das sich ein Versuch lohnt. Bauanleitung: Verwendet wird ein Minitrix VT62 Untergestell, 1 hinteres Drehgestell komplett, 2 Achsen ohne Haftreifen, 1 ätzplatine mit dem Wagenkasten, verschiedene Messingprofile und Kleinteile, aus denen die fehlenden Teile hergestellt werden, 3 Chip-LED Conrad o.ä. 185822 golden - white.
1a In dieser Farbgebung macht er einen guten
Eindruck auf Modellanlagen, entspricht jedoch nicht der Originalfarbgebung. Im Original gab es ihn in Chromoxydgrün,
beige/chromoxydgrün, grau/braun/beige mit roten Zierlinien oder
beige/chromoxydgrün mit gelben
Zierlinien.
1b Länderbahnausführung. Beginnen wir also mit dem Bau, der keine
"Feierabendbastelei" wird. In der Anleitung für den
Stückgut-Schnelltriebwagen habe ich
den Zusammenbau eines Messing Wagenkastens beschrieben und gehe hier nur
auf die Besonderheiten ein. Da die Führerstände schmaler als der Wagenkasten
sind, baut man eine Biegevorrichtung um die Wände an den vorgeätzten Kanten
in Form zu bringen. Zwischen zwei Teilen eines Stahllineales wird das Blech an
der Biegekante in einen Schraubstock gespannt und mit einem Stahlwinkel in
Form gebogen, gleiches gilt für den Dachkühler.
Wer
öfter solche Biegearbeiten macht kann zwei Stahllineale am Ende vernieten und
das Blech in der Mitte einschieben, erspart die dritte Hand.
Die
abgewinkelten Wände werden an den Stoßkanten verlötet , wobei ein
passgenaues Holzstück im breiten Teil des Wagenkastens hilfreich ist.
Das passende Holzstück
innen und die Stecknadeln auf dem Glimmerbrett von Fohrmann halten den Kasten
in Form bevor die Ecken verlötet werden. Hilfreich hierbei sind drei
Querstäbe die oben an der Dachkante vorübergehend eingelötet werden,
ohne diese wird das Dach garantiert schief aufgelötet.
Das Dach wird aus 0,2mm
Neusilberblech geschnitten und auf einem 20mm Rundholz vorgebogen. Hilfreich
zum Dachauflöten sind drei Messingröhrchen die unten am Wagenkasten hilfsweise eingelötet
werden, um den seitlichen Abstand zu halten, ohne diese wird das Dach
garantiert schief aufgelötet. Der 2mm Einschnitt am Kühler wird mit Laubsäge
gemacht und nach dem Auflöten werden die Dachschrägen vorn und hinten
abgeschnitten. Seitlich sollte das Dach 1mm überstehen, Bohrungen für die
Lüfter, Glocke und Pfeife werden angezeichnet und gebohrt. In die
hinteren Lampenöffnungen werden 2mm MS-Röhrchen ca. 3mm lang,
sowie unter den Fenstern die Laufbohle angelötet. Das jeweils
rechte Fenster bekommt eine Sonnenblende die aus den Ätzteilen gebogen wird. Als nächstes kommt der Kühler dran.

Der stehende Kühler
der aus vier Teilen zusammengelötet wird, dafür entfällt dann der liegende
Kühler.
Vom Kühler verläuft ein Luftrohr bis zum Dachende welches aus 2mm MS-Rohr
angefertigt wird. Befestigt wird es mit drei 2mm langen Rohrstücken aus
darüber geschobenem 3mm Rohr. Es gab Varianten bei denen das Rohr über den
Kühler verlegt war, hier jedoch führt es in den Kühler.
Nun wird das
Fahrgestell bearbeitet, um die nötigen Maße für Motorhaube usw. abnehmen zu
können.
Am hinteren Fahrgestellblock
wird bis zu den Löchern für die Birnen alles plan weggefräst, die schwarze
Birnenhalterung sollte noch aufgeschoben werden können. Die obere Lampe
bekommt eine extra Birne. Vorn muss leider die
gesamte Beleuchtung mit Chip-LED selber erstellt werden.
Die
Pufferbohle mit Riffelblech und Längsträger wird angefertigt,
zusammengelötet und dann aufgeklebt. Danach kann man die Höhe des
Motorvorbaus und der Motorhaube ausrechnen und aus Vollmaterial fräsen. Beide Teile
zusammenlöten und dann mit einem 0,5mm Streifen als Abstandhalter
zur Stirnwand einkleben . Der Abstand zur Stirnwand ist nötig, damit der
Wagenkasten in diesen 0,5mm Spalt hineinpasst.
Die Kabel werden innen im linken Längsträger verlegt, und weiter in
einer zu fräsenden Kabelnut. Die
gefräste 0,3mm tiefe Kabelnut für die Lampenkabel vorn.
Die
Chip-LED erhält je einen roten + und schwarzen - Kupferlackdraht und wird von
hinten in den Lampenkörper mit Sekundenkleber eingeklebt. Danach wird vorn in
die Lampe ein Tropfen Lampenlack gelb auf die LED gegeben. Anschließend vorn und hinten
auf die LED je ein Minitropfen Zweikomponentenkleber, dadurch kann man die
Lampe auch von hinten schwarz lackieren und vorne sieht es aus wie ein Glas.
Hier
ist ersichtlich, warum der Ausschnitt gemacht werden muss. Mit der Oberkante
Ausschnitt sitzt der Wagenkasten auf dem niedriger gefrästen Fahrgestell im
Schlitz hinter der Motorverkleidung. Dabei rasten dann die vier eingelöteten Nocken (siehe
Stückgut-Schnelltriebwagen), in den
Originalaussparungen des Fahrgestells ein und hinten sitzt das Dach auf der
eingeklebten Messingbrücke auf.
Eine
Änderung des Motorlagers Frontseite ist nötig, da die Originalnut
weggefräst wurde. Dazu wird das untere Teil der roten Halterung abgeschnitten, in das Loch ein V
- Schnitt gemacht und der Halter mit Öffnung nach vorn hinter der
Schneckenwelle eingeklebt und die Welle dann eingerastet.

Die Schleiferfedern hinten
kürzen,
Befestigung rechts unten abschneiden, Farbe mit Glashaarstift entfernen und sowohl die Feder
als auch den schwarzen Halter mit Sekundenkleber fixieren. Dann mit Rundfeile
gefräste Achslagerposition in schwarze Federplatte einfeilen. Die
Drehgestellblenden müssen um 16mm gekürzt werden so, das die
hinteren Achslagerblenden exakt vor den Rädern sitzen.
Fertiges Drehgestell, bei dem die
Zähne des zweiten Radsatzes mit Zange abgebrochen und dann abgefeilt werden müssen, sonst blockiert das
Getriebe. Ganz abziehen sollte man es nicht, da sonst zu viel Seitenspiel
vorhanden ist. Beim Einbau in das Fahrgestell justiert sich das Plastikzahnrad
oben jedoch nicht von selbst, sondern muss mit einer Nadel justiert werden
bevor der Drehgestellstift eingeschoben wird. Bei dem vorderen Drehgestell
wird die Achslagerblende eines hinteren Gestells verwendet, weil vorne durch
die Kuppelstangen keine Achslagerblenden sind.
Außerdem ersetzt man die Haftreifenachsen durch normale Achsen
wegen der besseren Stromabnahme.
Die
Pufferbohle wird am Drehgestell hinten eingeklebt wo vorher der
Kupplungsschacht war. Die Achslagerblenden sind gekürzt zusammengeklebt.
Luftschläuche und Kupplung vom Zurüstsatz einer Minitrix Dampflok.
Am
ausgerasteten Bodenteil wird aus 0,3mm Messingdraht das Sprengwerk gebogen,
zusammengelötet und in gebohrte Löcher unterseitenbündig eingeklebt.
Die
Chip-LED vorne werden in Reihe betrieben. Plus von LED 1 an Masse Platine. Minus von LED 1 an Plus LED 2 und Minus Led 2 über
einen 680 Ohm 1/16 Watt Widerstand an den Decoder-Lichtausgang vorne. Man
braucht also nur zwei Kabel in der Kabelnut verlegen. Die obere Chip-LED wird
direkt an den zweiten Vorwiderstand vom Decoder als Halter gelötet, Plus an
Masse. Höhe exakt vor dem oberen Lampenröhrchen.
Das
Modell wird sofort mit einem Decoder ausgerüstet. Pin 1 oben links an Motor
Masseseite, Pin 2 Motorfeder, Pin 3 rechte Schiene, Pin 4 linke Schiene (
Masse), Pin 5 weiß hinten, Pin 6 weiß vorne und rot hinten. Die obere Lampe
wird an die weiße Birne und an masse gelötet und bis vorne mit schwarzem
Schrumpfschlauch überzogen gegen Streulicht.
Nun
kommt ein diffiziler Teil des Nachbaus, das Lackieren. Es gibt genügend
airbrush Profis, ich kann nur meine Art der Lackierung erklären die zumindest
einen optisch ansprechenden Eindruck macht. Wagenunterteil ohne Drehgestelle
abkleben und beide Lampenöffnungen vorn mit Maskol von Humbrol betupfen. Das
Maskol ist hell lila und nach ca. 20 Minuten Trockenzeit dunkellila, dann kann
lackiert werden. Nach etlichen Versuchen grundiere ich mit Haftgrund matt für
PKW von Ostendorf, gute Ergebnisse bringt auch Metallhaftgrund von Humbrol. Wenn
dieser nach 1 Stunde trocken ist wird der Motorvorbau mit Eisengrau dem 5
Tropfen Alusilber zugegeben wurden mit der airbrush lackiert. Anrühren kann man
gut in leeren durchsichtigen Filmdosen in denen man die Farbe auch für
Korrekturen aufbewahren kann. Nach dem airbrushen sofort die Humbrolmaskierung
abziehen, 1 Minute später auch das Klebeband. Am Wagenkasten wird mit ca. 2mm
breitem Strahl ohne Abkleben das Fensterband beige lackiert. Trocknen im
Pappkarton mit davor stehendem Heizlüfter Stufe 1 für 1 Stunde. Jetzt wird an
der Fensterzierleiste mit Abklebeband
von Tamiya die obere Hälfte abgeklebt und z.B. chromoxydgrün lackiert. Tamiya
Abklebeband hat den Vorteil einer scharfen Klebekante und nimmt beim Abziehen
keine Farbe der vorherigen Lackierung mit runter. Dies kann man von Tesafilm und
ähnlichem nicht sagen, hier reißt die Untergrundfarbe partiell mit ab. Nach
dem Trocknen wird der gesamte Kasten unter dem Dach abgeklebt und das Dach wie
der Motorvorbau lackiert. Man kann das Dach auch dunkelsilbern lackieren, die
alten Fotos lassen da keine genaue Aussage zu. Mit Pinsel Größe 00 werden die
Dachlüftergitter abgesetzt und der Auspuff schwarz lackiert. Damit ist das
Modell fertig und kann zusammengebaut werden. Masochisten kleben jetzt noch
einmal die Fensterzierleisten und die senkrechten Trennleisten ab und lackieren
sie rot oder gelb. Ein Anhänger in Form eines Abteilwagens wurde zum Teil auch
damals schon mitgeführt und eignet sich hervorragend für den Einbau eines
Soundbausteins.
Die
Benzolparade rechts Fantasielackierung ohne Auspuffrohr. Mitte
Länderbahnlackierung mit liegendem Kühler und Auspuffrohr. Links
Länderbahnlackierung mit stehendem Kühler.